Über Uns

SELBSTVERSTÄNDNIS BEFKJ

 

BUNDESNETZWERK FACHPOLITIK FÜR ELTERN UND FAMILIEN IN DER
KINDER- UND JUGENDHILFE e. V. (BEFKJ)

 

Mit den folgenden Ausführungen werden die fachpolitischen Positionen, Selbstverständnis und Profil, Ziele und Aufgabenschwerpunkte unseres Bundesnetzwerks BEFKJ dargestellt:

 

1. Fachpolitische Anmerkungen und Positionen des Bundesnetzwerks (BEFKJ)

Die Zahlen der im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe unterstützten Familien sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Nach der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik lag die Zahl im Jahre 2012 bereits bei über 1 Mio. junger Menschen (vgl. AKJ-Stat 2012:6ff). Bei Eltern in den Erzieherischen Hilfen handelt es sich zumeist um alleinerziehende Familien und um Eltern, die selbst in schwierigen Lebensverhältnissen aufgewachsen sind und schlechte gesellschaftliche Ausgangschancen hatten, also vor allem um sozial benachteiligte Familien. Sie leben auch aktuell überwiegend in schwierigen sozioökonomischen Rahmenbedingungen. Dabei wird ihnen abverlangt, dass sie mit nur sehr begrenzten sozialen und materiellen Ressourcen ihren Alltag mit den Kindern gut und gelungen organisieren. Wenn diese Eltern dann für ihre Kinder Unterstützungsbedarfe signalisieren und sozialstaatliche Hilfen für diese beanspruchen, wird dieser Umstand ihnen häufig –unausgesprochen- als Eigenverschulden und „persönliche Schwäche“ angelastet. Insbesondere bei fremdunterbringenden Maßnahmen werden diese Eltern vielfach so behandelt, als hätten sie ihre Elternschaft „verwirkt“. Ihre Rolle im Fremdunterbringungsverlauf ist dann auch dementsprechend marginalisiert: Formalisierte Beteiligung, Absprechen eigener (elterlicher) Bedürfnisse und Interessen, oftmals jahrelange Fremdunterbringungen ihrer Kinder mit der Folge der Entfremdung.
In den Fremdunterbringungsverhältnissen sind leibliche Eltern/Herkunftseltern vielfach eher das „fünfte Rad am Wagen“ und nicht gleichberechtigte Erziehungspartner. Von ihnen wird, wie selbstverständlich, erwartet, dass sie den Akteuren wie Jugendamt, Heim, Pflegefamilie etc. das Erziehungsterrain überlassen. Nur so ist es auch zu erklären, dass den Eltern und Familien während der Fremdunterbringung ihrer Kinder kaum kindeswohlorientierte, soziale und materielle Restabilisierungshilfen zukommen ( vgl. Faltermeier 2001, Macsenaere 2013, Kindler et al 2010), weil die Eltern in den Perspektivplanungen der sozialen Dienste für die Kinder kaum eine Rolle mehr spielen. Zudem ist festzustellen dass dort, wo von Umsetzung der Elternarbeit gesprochen wird, kaum annähernd das eingelöst wird, was damit versprochen und auch notwendig wird. Hier wird nicht ehrlich reflektiert, welche Ressourcen für diese Arbeit notwendig sind. Gute Elternschaft und auch Rückführungen zu ermöglichen setz eine intensive, zielführende Elternarbeit vor aus (vgl. Faltermeier, Schefold, Stork/Wolff); das wiederum bedeutet, dass Elternarbeit nicht „nebenher“ zu leisten ist, sondern eigene Zeitrahmen, Personal, Arbeitsansätze etc. bedarf (vgl. hierzu Faltermeier, 2014, Schefold , Wolff/Storck).
Eine Realisierung der gesellschaftlichen Teilhabe von Eltern in den Erzieherischen Hilfen, hier vor allem der Eltern fremd untergebrachter Kinder, kann nicht nur in den engen Grenzen der Erzieherischen Hilfen gedacht werden, sondern ist ein Thema für die Sozial- und Gesellschaftspolitik insgesamt. Die Adressaten sind hier vor allem die Kinder- und Jugendhilfe und deren öffentlichen, freien und privat-gewerblichen Träger, die politischen und zivilgesellschaftlichen Akteure in den Sozialräumen, der Staat auf allen Ebenen und eben die Öffentlichkeit.
Insoweit hat sich in den Strukturen und Rahmenbedingungen der Öffentlichen Erziehung mit Blick auf die Rolle von leiblichen Eltern, deren Kinder erzieherische Hilfebedarfe habe, in den letzten Jahrzehnten kaum etwas verändert: Leibliche Eltern werden selten aktiv in den Fremdunterbringungsprozess einbezogen, erhalten keine umfassenden Restabilisierungsangebote und Rückführungen von Kindern in ihr Herkunftsmilieu werden viel zu wenig vorbereitet und eingeleitet (hat hier jemand zuverlässige Zahlen?)
Diese Jugendhilfepraxis steht jedoch nicht im Einklang mit den gesetzlichen Forderungen, bspw. nach Art. 6 GG, wonach der Schutz von Ehe und Familie mit Verfassungsrang geregelt ist (Abs. 1) und darauf hingewiesen wird, dass Familien auf die Unterstützung durch die staatliche Gemeinschaft vertrauen dürfen (vgl. hierzu auch Wiesner, R…….. sowie Salzgeber, 2016:233ff). Aber auch die fachgesetzlichen Regelungen in den §§ 27ff SGB VIII sehen grundsätzlich die Erzieherischen Hilfen, insbesondere fremdunterbringende Maßnahmen, als „Interim“ vor und fordern nachdrücklich die Restabilisierung der Herkunftsfamilien/- eltern und die Reintegration der Kinder in ihr Herkunftsmilieu.
Darüber hinaus gilt es, die Hilfen im Vorfeld der Fremdunterbringung zu qualifizieren, vor allem die Formen ambulanter Familienhilfen; so wissen wir eigentlich wenig darüber, ob bei dem Umfang des Ausbaus der Sozialpädagogischen Familienhilfe auch jene Rahmenbedingungen zur Verfügung gestellt werden (Betreuungsstunden, fachliche Qualifizierung etc.), die für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse in den Familien (sozioökonomische Lebenslage, innerfamiliale Interaktionen, Wohlbefinden von Kind und Eltern, Erziehungskompetenzen der Eltern etc.) erforderlich sind. Die Lücken in den institutionalisierten ambulanten Hilfen der öffentlichen und freien Träger fallen auf die Herkunftsfamilien/-eltern zurück, in dem diese als nicht „restabilisierungsfähig“ gelten und die Fremdunterbringung aus diesem Grund als notwendig und auf Dauer angesehen wird.

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Vor allem im Falle von fremdunterbringenden Maßnahmen können die betroffenen Eltern und Familien nicht auf die für das Kindeswohl erforderlichen Hilfestellungen durch die staatliche Gemeinschaft – hier die Kinder- und Jugendhilfe – vertrauen: Weder werden geeignete und wirksame Hilfeangebote zur Erweiterung der Erziehungskompetenzen noch zur sozialen und ökonomischen Restabilisierung der Eltern und Familien in Gang gesetzt noch wird eine Rückführung von Kindern in ihre Herkunftsfamilie kontinuierlich geplant und gezielt vorbereitet. Zudem werden mit der Fremdunterbringung ihrer Kinder Eltern vielfach in ihren Beteiligungs- und Mitwirkungsrechten als leibliche Eltern eingeschränkt. Gerade hier aber ist es unabdingbar, die offensive Beteiligung der leiblichen Eltern sicherzustellen und über die Bearbeitung der schwierigen und komplexen sozialen und ökonomischen Situation in den Familien eine Restabilisierung der Familie gezielt herbeizuführen und eine Entfremdung der Kinder von ihren Eltern zu verhindern. Nur so können sich Eltern erfolgreich in das Fremdunterbringungsverhältnis einbringen und in die Lage versetzt werden, vor allem nach der Fremdunterbringung eine zuverlässige Elternschaft umzusetzen.
Im Übrigen sind wohl vor allem finanzielle Gründe die Hauptursachen dafür, dass die kommunalen Jugendhilfeträger als Gesamtverantwortliche für die Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen (Art. 6 GG sowie §§ 27ff SGB VIII) bedarfsgerechte individueller Hilfen nicht im erforderlichen Umfange nachkommen.

 

2. Selbstverständnis des Bundesnetzwerks BEFKJ

Das Bundesnetzwerk versteht sich als zivilgesellschaftliche Organisation, die in die gesamtgesellschaftlichen sowie in die fachpolitischen Debatten zum Thema „Eltern und Familie“ insbesondere den Blickwinkel von Eltern einbringen will, deren Kinder durch die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere der Erzieherischen Hilfen (Fremdunterbringung) gefördert werden.

Das Bundesnetzwerk setzt sich insbesondere dafür ein, dass
– der Anspruch von Eltern in der Kinder- und Jugendhilfe, hier vor allem von Kindern, die fremduntergebracht sind, auf umfassende Unterstützung, Beratung und Restabilisierung durch die Kinder- und Jugendhilfe eingelöst wird,
– hierdurch den Eltern ermöglicht wird, künftig wieder eigenverantwortlich für ihre Kinder zu sorgen und sie erfolgreich auf deren Weg zum Erwachsenen zu begleiten ,
– während der Fremdunterbringung aktiv in die Entwicklung ihrer Kinder einbezogen werden, sowohl durch kontinuierliche Informationen (ca. 4-wöchentlich) über den Entwicklungsverlauf als auch durch Übernahme einzelner Betreuungsaufgaben für ihr Kind (z. B. Fahrrad reparieren, Freizeitaktionen etc.),
– Eltern in der Fremdunterbringung im Rahmen einer „Erziehungspartnerschaft“ auf „Augenhöhe“ mit den weiteren Beteiligten (Fachkräfte der Sozialen Dienste, Erzieher_innen, Pflegeeltern etc.)die Entwicklung ihres Kindes gleichberechtigt mitbestimmen und mitgestalten können,
– Die beteiligten Akteure alles dafür tun, um während der Fremdunterbringung eine Entfremdung von Eltern und Kind vermeiden.

Zugleich will das Bundesnetzwerk um Verständnis dafür werben, dass diese Eltern
• Nicht selten selbst in schwierigen Lebensverhältnissen aufgewachsen sind bzw. leben und durch biografische, aber auch durch soziale und materielle Mangellagen an ihre elterlichen und erzieherischen Grenzen kommen können,
• dennoch ihre Kinder lieben und Verantwortung für diese übernehmen wollen,
• einen gesellschaftlichen Anspruch darauf haben, ihre Lebensverhältnisse durch ein umfassendes Hilfe- und Unterstützungsarrangement von Seiten der sozialstaatlichen Institutionen so zu strukturieren, dass sie wieder eigenständig ihre Kinder erziehen und versorgen können,
• einen Anspruch darauf haben, dass durch Restabilisierung die Voraussetzungen für eine Rückführung des Kindes oder/ und für eine eigenständige Übernahme der Elternrolle in der Fremdunterbringung geschaffen werden,
• einen Anspruch auf soziale/ gesellschaftliche Teilhabe haben, der durch die Wahrnehmung der Elternschaft auch in der Fremdunterbringung realisiert wird.

Das Bundesnetzwerk versteht sich in erster Linie als eine Plattform, die sich im Interesse von Kindern und Eltern als Sprachrohr für Familien in der Kinder- und Jugendhilfe versteht, weil die betroffenen Eltern und Familien sich schwer tun, eine Organisation zu bilden und sich selbst zu vertreten. Insoweit sieht sich das Bundesnetzwerk auch und gerade in einer Moderationsfunktion. Damit wollen wir unseren Teil dazu beitragen, dass die gesellschaftliche Teilhabe dieser Eltern vor allem über die Wahrnehmung einer verantwortungsbewussten Elternschaft, ermöglicht und sichergestellt wird. Da diese Eltern selbst zumeist in schwierigen sozialen und materiellen Verhältnissen leben und damit ihre Handlungsspielräume als verantwortliche Eltern eingeschränkt sein können, gilt es hier, sowohl an die Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch der Gesamtgesellschaft für die Bereitstellung guter Rahmenbedingungen für alle Kinder zu sorgen. Die gesellschaftliche Teilhabe dieser Eltern gilt es, in Hilfeprozessen, Verfahren, professionellen Praktiken und fachlichen Strategien stärker als bislang zu realisieren.

 

3. Anliegen und Positionen des Bundesnetzwerks
Das Bundesnetzwerk Fachpolitik für Eltern und Familien in der Kinder- und Jugendhilfe will sich vor allem dafür einsetzen, dass das Verhältnis der Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe von öffentlichen und freien Trägern und den Eltern/ Familien vor allem in den Erzieherischen Hilfen neu austariert wird: Herkunftseltern bleiben in ihrer elterlichen Verantwortung für ihre Kinder (Family-Partnership). Dabei wird eine „aktive Erziehungspartnerschaft“ favorisiert, die alle Akteure im Fremdunterbringungsverhältnis als gleichberechtigte Partner anerkennt. Die Beteiligung und umfassende Restabilisierung von Herkunftseltern/-familien ist vor allem auch im Interesse der fremduntergebrachten Kinder. Die sozialstaatlichen Dienste haben ihre Restabilisierungsangebote so auszurichten, dass Herkunftsfamilien dieser Verantwortung für ihr Kind nachkommen können. Zudem setzt sich das Bundesnetzwerk dafür ein, dass die Akzeptanz der gesellschaftlichen Öffentlichkeit für die Hilfebedarfe von Eltern in den Erzieherischen Hilfen gestärkt und auf die oftmals prekären gesellschaftlichen, sozialen und materiellen Rahmenbedingungen dieser Familien aufmerksam gemacht wird. Darüber hinaus unterstützt das Bundesnetzwerk den Ausbau infrastruktureller Hilfen für diese Familien, so dass adäquate familienbezogene Angebote zur Verfügung stehen, die u. a. auch geeignet sind, Fremdunterbringungen möglichst zu vermeiden. Hierbei ist der Ausbau sozialräumlicher Hilfeangebote (z. B. Patenschaften für Kind/er und Eltern, familiennahe Kurzunterbringungen etc.) einzubeziehen. Neben der begleitenden umfassenden eltern- und familienbezogenen Restabilisierung der Herkunftsfamilien setzt sich das Bundesnetzwerk zudem für geplante Rückführungen der fremduntergebrachten Kinder in ihre Herkunftsfamilien ein.
Diese Ziele realisiert das Bundesnetzwerk durch einen aktiv gestalteten bundesweiten praxisbezogenen, fachlichen, wissenschaftlichen und forschungsbezogenen Dialog, um dadurch eine „zeitgemäße und moderne Ausgestaltung der öffentlichen Erziehung in Deutschland“ anzustoßen und zu fördern.

Im Mittelpunkt der Forderungen des Bundesnetzwerkes nach Beibehaltung der Elternschaft und Beteiligung, nach Restabilisieriung und Vermeidung von Entfremdung stehen die fremduntergebrachten Kinder, die einen Anspruch an die Gesellschaft haben, dass sie in einem Lebensumfeld aufwachsen können, das sie als Herkunftsmilieu unterstützt, versorgt und dafür sorgt, dass die Kinder zu einer gelingenden Lebensgestaltung finden.
Das Bundesnetzwerk will insgesamt die Sensibilität und Aufmerksamkeit sowohl in der Gesamtgesellschaft, aber auch insbesondere in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe dafür erhöhen, dass Eltern, die in benachteiligten sozialen und ökonomischen Verhältnissen aufwachsen und leben müssen, einen (gesetzlichen) Anspruch auf umfassende Beteiligung, Unterstützung und Restabilisierung haben. „Dabei ist immer wieder zu vermitteln, dass diese Eltern und Familien häufig nicht die Chance haben, sich erfolgreich in ihrem Umfeld zu sozialisieren und ihre aktuellen Lebensverhältnisse so zu gestalten, dass dies ihren Kindern und ihnen selbst zum Wohle gereicht. Eltern selbst wissen in der Regel um den Unterstützungs- und Hilfebedarf ihrer Kinder. Gleichwohl wissen sie aber auch um die Gefahr – insbesondere bei einer Fremdunterbringung ihrer Kinder –die ihnen durch die sozialstaatlichen Dienste -gewollt oder ungewollt- drohen kann: Ausgrenzung aus der Erziehung ihrer Kinder, dauerhafte Fremdunterbringung, Entfremdung von den Kindern. Dass diese Gefahren auch tatsächlich bestehen, bestätigen die bereits genannten Studien (Faltermeier, 2001; Kindler u. a., 2010). Die gesellschaftliche Benachteiligung dieser Eltern und Familien wird mit der Einleitung staatlicher Hilfen und Unterstützung oftmals fortgeschrieben: Durch ausbleibende Restabilisierung und durch Ausgrenzung aus der Erziehung ihres Kindes. So gelten sie häufig als „Eltern mit verwirkten Elternrechten“ (vgl. Faltermeier, 2001). Dadurch werden diese Eltern und Familien in ihren gesellschaftlichen Teilhabechancen eingeschränkt.“
Hier soll auf die so genannten „Leuchtturmprokjekte“ in der Eltern- und Rückführungsarbeit hingewiesen werden, die es bereits in Deutschland seit längerem gibt und die zeigen, dass durch eine „gekonnte Eltern- und Restabilisierungsarbeit“ die häufig von der Kinder- und Jugendhilfe unterstellten Grenzen in der Arbeit mit diesen Familien deutlich überschritten werden können (PFIFF, Hamburg, M. Biene, Zürich etc.).
Natürlich gibt es gleichermaßen Herkunftsfamilienverhältnisse, in die fremduntergebrachte Kinder in absehbarer Zeit nicht wieder reintegriert werden können (bspw. Aufgrund gravierender psychischer oder Suchterkrankungen). In solchen Fällen ist es wichtig, dass die Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen Eltern und Kind gepflegt wird, auch wenn das für Fachkräfte und Pflegefamilieneine große Herausforderung darstellen sollte.
Im Übrigen sind die hier dargestellten Mängel in den Hilfen zur Erziehung kein Fachkräfte-Bashing! Vielmehr verweist die Kritik auf überwiegend strukturelle und finanzielle Unzulänglichkeiten, die im Fokus der Reformbemühungen stehen sollten.
Dabei ist immer wieder zu vermitteln, dass diese Eltern und Familien häufig nicht die Chance haben, sich erfolgreich in ihrem Umfeld zu sozialisieren und ihre aktuellen Lebensverhältnisse so zu gestalten, dass dies ihren Kindern und ihnen selbst zum Wohle gereicht. Eltern selbst wissen in der Regel um den Unterstützungs- und Hilfebedarf ihrer Kinder. Gleichwohl wissen sie aber auch um die Gefahr – insbesondere bei einer Fremdunterbringung ihrer Kinder –die ihnen durch die sozialstaatlichen Dienste -gewollt oder ungewollt- drohen kann: Ausgrenzung aus der Erziehung ihrer Kinder, dauerhafte Fremdunterbringung, Entfremdung von den Kindern. Dass diese Gefahren auch tatsächlich bestehen, bestätigen die bereits genannten Studien (Faltermeier, 2001; Kindler u. a., 2010). Die gesellschaftliche Benachteiligung dieser Eltern und Familien wird mit der Einleitung staatlicher Hilfen und Unterstützung oftmals fortgeschrieben: Durch ausbleibende Restabilisierung und durch Ausgrenzung aus der Erziehung ihres Kindes. So gelten sie häufig als „Eltern mit verwirkten Elternrechten“ (vgl. Faltermeier, 2001). Dadurch werden diese Eltern und Familien in ihren gesellschaftlichen Teilhabechancen eingeschränkt.

 

4. Ziele und Aufgabenschwerpunkte des Bundesnetzwerks BEFKJ

Das Bundesnetzwerk Fachpolitik für Eltern und Familien in der Kinder- und Jugendhilfe fühlt sich der Auffassung verpflichtet, dass es eine gesellschaftliche Gesamtverantwortung ist, alles dafür zu tun, damit die Teilhabechancen dieser Eltern und Familien durch umfassende Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote mit sozialen, ökonomischen, erzieherischen und personalen Kompetenzen und Ressourcen so ausgestattet werden, dass deren soziale Integration gesichert ist und diese ihre elterliche Verantwortung gegenüber ihren Kindern (wieder) wahrnehmen können.
Die Verwirklichung dieser Zweckbestimmung strebt das Bundesnetzwerk insbesondere durch eine Förderung entsprechender Praxisinitiativen und durch eine enge Vernetzung von Praxis, Wissenschaft und Forschung an.

Ziele des Bundesnetzwerks sind deshalb insbesondere
• das Kindeswohl junger Menschen, die sich in den Erzieherischen Hilfen, insbesondere in Pflegefamilien, Heimen und Jugendwohngemeinschaften befinden, durch die Forderung nach Herstellung von Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Erziehungspartnerschaft zwischen den leibliche Eltern und den weiteren Beteiligten zu gewährleisten,
• die Sensibilität und Aufmerksamkeit in der Gesamtgesellschaft und in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe für die Bedeutung und auch für die Stärken und Ressourcen der Eltern/-familien im Hinblick auf den Erfolg der Erzieherischen Hilfen zu erhöhen,
• das Ansehen von Familien in der Kinder- und Jugendhilfe und deren Leistungen, die sie für ihre Kinder erbringen, gesamtgesellschaftlich aufzuwerten,
• die Weiterwicklung der Hilfen zur Erziehung bundesweit und regional zu unterstützen und mitzugestalten,
• den Aufbau lokaler/regionaler Netzwerke Eltern und Familien anzuregen und zubegleiten,
• den lokalen/ regionalen Netzwerken im „Bundesnetzwerk (BEFKJ)“ einen Ort des Erfahrungsaustausches zu bieten – und
• der lokalen und überregionalen Fachebene Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der kommunalen, regionalen und bundesweiten Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung zu stellen.

Das Bundesnetzwerk hat sich daher insbesondere folgende Aufgaben gestellt:
• Beratung von Organisationen, Institutionen und Verbände in Fragen der Kinder- und Jugendhilfe auf örtlicher, regionaler und bundesweiter Ebene zukommen zu lassen,
• Erfolgreiche Rahmenbedingungen für eine Erziehungspartnerschaft zwischen den Trägern und sozialen Diensten der Kinder- und Jugendhilfe und den betroffenen Eltern in den fachlichen und öffentlichen Diskursen einzubringen,
• Generierung wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Kindes- und Elternwohl und für politische, fachliche, institutionelle und juristische Klärungs- und Gestaltungsprozesse aufzubereiten und einzubringen,
• Förderung der Kooperation und des Erfahrungsaustausches auf nationaler und internationaler Ebene,
• Förderung von Forschung und Wissenschaft,
• Mitarbeit bei Gesetzgebungsverfahren und in jugend-, familien- und sozialpolitischen Gremien,
• Durchführung von Fachveranstaltungen, Expertenhearings und Weiterqualifizierungsangeboten für Fachkräfte,
• Erstellung von Fachpublikationen,
• Unterstützung und Förderung von Initiativen auf regionaler und bundesweiter Ebene (Initiierung regionaler und bundesweiter Projekte und Programme)

Zusammenfassend sei noch einmal hervorgehoben, dass Eltern und Familien in der Kinder- und Jugendhilfe und hier vor allem jene in den Erzieherischen Hilfen einen Anspruch auf
Anerkennung ihres Status als Eltern, die für ihr Kind auch in der Fremdunterbringung verantwortlich und für diese „zuständig“ sind. Deshalb muss ihnen auch eine bedarfsgerechte und umfassende sozio-ökonomische Restabilisierung und die Erweiterung ihrer erzieherischen und sozialen Kompetenzen ermöglicht werden. Darüber hinaus muss es selbstverständlich sein, dass die zuständigen sozialen Dienste die Rückführung des Kindes gezielt planen und vorbereiten. Kann eine Rückführung nach Meinung der Kinder- und Jugendhilfe nicht realisiert werden, ist von den Fachkräften zu begründe, warum dies nicht möglich ist, was zwischenzeitlich getan wurde, um die Gründe für die Fremdunterbringung zu beseitigen und was die weiteren Schritte zur Restabilisierung der Familie sind und wie diese umgesetzt werden sollen. In jedem Falle muss zu Beginn ein Konzept zur Restabilisieriung der Eltern und Familie vorgelegt und bei Bedarf während des Hilfeprozesses fortgeschrieben werden. Als Eltern haben sie einen Anspruch auf eine Erziehungspartnerschaft und auf gleichberechtigte und aktive Einbeziehung.

 

5. Mitglieder/ Freundeskreis
Das Bundesnetzwerk Fachpolitik für Eltern und Familien in der Kinder- und Jugendhilfe versteht sich als eine Interessensgemeinschaft, die sich insbesondere dafür einsetzt, dass Eltern und Familien in den Erzieherischen Hilfen durch sozialstaatlich gesteuerte Hilfearrangements die für ihre Restabilisierung erforderlichen Hilfen bekommen und damit die Voraussetzungen für eine kindeswohlangemessene Erziehung und Entwicklung geschaffen werden.

Demnach können Mitglieder werden
o juristische Personen, die als lokale, regionale und überregionale Zusammenschlüsse/ Netzwerke wirken und die Ziele des Bundesnetzwerks verfolgen,
o Einzelmitglieder, also Bürgerinnen und Bürger,
o Fördermitglieder: Diese sind natürliche oder juristische Personen, die Ziele und Zwecke des Bundesnetzwerkes (BEFKJ) unterstützen und durch unregelmäßige Geld-, Sach- oder Arbeitsleistungen fördern.

Insoweit wird das Bundesnetzwerk auch auf interessierte Expertinnen und Experten aus der Kinder- und Jugendhilfe angewiesen, die die hier vorgestellten Anliegen und Ziele des BEFKJ in die Gesellschaft einbringen wollen. . Gleichwohl ist es ein wesentliches Anliegen, betroffene Eltern selbst als Mitglieder zur Mitarbeit und zur Verwirklichung der gesetzten Ziele zu gewinnen. Darüber hinaus wenden wir uns an engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich im Rahmen ihres zivilgesellschaftlichen Engagements für gesellschaftlich benachteiligte Eltern und Familien einsetzen und an Personen, die durch Geld- oder/und Sachspenden bzw. durch Arbeitsprodukte die Ziele und Zwecke des Bundesnetzwerks fördern wollen. Das Bundesnetzwerk versteht sich als „Dachverband“ entsprechender Initiativen auf lokaler und regionaler Ebene und als Kooperationspartner von Praxis, Politik, Wissenschaft und Forschung, Politik.

6. Aufbau und Organisation
Das Bundesnetzwerk strebt mittelfristig die Einrichtung einer (kleinen) Geschäftsstelle an, da die Verwirklichung der Satzungsziele und -zwecke eine bundesweite Orientierung der Anstrengungen und Initiativen mit sich bringen, die nur durch entsprechende personelle und materielle Ressourcen zufriedenstellend zu realisieren sind. Das bedeutet gleichzeitig, dass Überlegungen zur finanziellen Ausstattung des Bundesnetzwerks vorangetrieben werden müssen.
Was die Gesamtstruktur der Organisation des Bundesnetzwerks angeht, so ist hierzu Folgendes vorgesehen:

Einrichtung eines Vorstand
Der Vorstand wurde in der Gründungsversammlung am 12. März 2016 gewählt:
1. Vorsitzender: Prof. Dr. Josef Faltermeier, Butzbach
2. Vorsitzender: Dr. Remi Stork, Münster
3. Vorsitzender: Prof. Dr. Christian Schrapper-Thiesmeier, Münster
Schatzmeister: Robert Grohmann, Wiesbaden
Das Bundesnetzwerk Fachpolitik für Eltern und Familien in der Kinder- und Jugendhilfe (BEFKJ) wurde am 06. April 2016 in das Vereinsregister eingetragen.
Ebenso wurde dem Bundesnetzwerk BEFKJ die Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt Friedberg am 24. März 2016 zugesprochen.

Einrichtung einer Geschäftsstelle
Der Aufbau einer (kleinen) Geschäftsstelle geht parallel mit der Entwicklung der fachlichen Logistik einher. Neben der Einrichtung einer Homepage und der Erledigung von administrativen Arbeiten brauchen wir vor allem fachpolitische Äußerungen und Stellungnahmen unseres Bundesnetzwerks, um uns in die Fachdiskurse entsprechend einzubringen und darzustellen. Hier sind wir fachlich gut aufgestellt und können uns auch kurzfristig in aktuelle Fach-Debatten einschalten. Dabei brauchen wir natürlich die Unterstützung aller Gründungsmitglieder.

Aufbau lokaler/regionaler „Netzwerke Eltern in Erzieherischen Hilfen“
Perspektivisch (in den nächsten Jahren) wollen wir den Aufbau lokaler/ regionaler Netzwerke initiieren und fördern. Hierzu bedarf es natürlich einer Reihe von „Vorarbeiten“: Vom fachlichen Unterstützungsmaterial bis hin zur Bereitstellung von Arbeitspapieren und organisatorischen Strukturhilfen.

 

Literatur:
Faltermeier, J. 2001: Verwirkte Elternschaft. Fremdunterbringung, Herkunftseltern, Neue Handlungsansätze, Münster/Wf.

Faltermeier, J. 2014: Herkunftsfamilien sind „Family-Partnership“: Erziehungspartnerschaft als neue Denkfigur, in: Kuhls, A./ Glaum, J./ Schröer, W. (Hg.): Pflegekinderhilfe im Aufbruch. Aktuelle Entwicklungen und neue Herausforderungen in der Vollzeitpflege, Weinheim/ Basel
Kindler, H./Helming, E./Meysen, T./Jurczyk, K. (Hrsg.) 2010: Handbuch Pflegekinderhilfe, München
Macsenaere, M. (2013). Wirkungsforschung in den Hilfen zur Erziehung. In Gunther Graßhoff (Hrsg.): Adressaten, Nutzer, Agency: Akteursbezogene Forschung in der Sozialen Arbeit (S. 211-228). Wiesbaden

Salzgeber, J. 2016: Beschlüsse des Verfassungsgerichts seit 2014 zur Kindeswohlgefährdung und deren Bedeutung für die familienrechtspsychologische Begutachtung, S. 233-239, in: DAS JUGENDAMT, 5/2016

Schefold, W. 2002: Hilfeprozesse und Hilfeverfahren, in: Schröer, W./ Struck, N./ Wolff, M. (Hg.):
Handbuch Kinder- und Jugendhilfe, Weinheim/ München

Wiesner, R. 2015: Rechtliche Vorgaben zur Zusammenarbeit mit den Eltern in der Pflegekinderhilfe, in: ForE 4-2015 Zusammenarbeit mit (Herkunfts-)Eltern in der Pflegekinderhilfe

Wolff, R./ Stork, R. 2012: Dialogisches ElternCoaching und Konfliktmanagement: Ein Methodenbuch für eine partnerschaftliche Bildungsarbeit (nicht nur) in den Hilfen zur Erziehung, Frankfurt/M.